Joblos nach dem Studium

15:42 ZENDEBA 0 Comments

Fotocredit: chb1848/Flickr

"Du willst was aus dir machen? Du musst studieren! Wozu machst du sonst dein Abitur? Du kannst werden was du willst, wenn du studierst." - Diese oder ähnliche Sprüche hat jeder von uns mal gehört. Eltern erzählen stolz ihren Freunden und Kollegen, dass ihre Kinder studieren und an sich arbeiten, die Lehrer haben uns vermittelt "studiere, um was zu werden". Das mag auch alles stimmen und ich möchte nichts schlecht machen oder schlecht reden, im Gegenteil: Bildung ist mega wichtig, jeder sollte sich immer und überall weiterbilden, ob in der Schule oder im Leben. Egal ob Ausbildung oder Abitur, Bachelor, Master oder Doktortitel, jeder hat seine Ziele im Leben.

Das Studieren wird so hoch gelobt und auch hoch angesehen, doch wovor mich keiner gewarnt hat, war die Arbeitslosigkeit. Arbeitslos? Das sind doch Menschen, die entweder einen schlechten oder gar keinen Abschluss absolviert haben oder Menschen, die einfach zu faul sind, um zu arbeiten. Ich, ich habe doch studiert, das kann mir nicht passieren - denkste. Nach dem Kolloquium fühlst du dich fresh, erleichtert und bereit. Bereit, dein erlangtes Wissen anzuwenden, bereit, endlich zu arbeiten und dein eigenes Geld zu verdienen, bereit, 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. DU willst, aber keiner will dich. Leute, wenn ihr nach eurem Studium sofort einen Arbeitsplatz gefunden habt, dann gehört ihr zu den Glücklichen. Es kommt natürlich auf die Branche an; habt ihr etwas studiert, was gefragt ist, z.B. aus dem Bereich des Ingenieurwesens, IT etc. dann wird die Jobsuche bei euch vermutlich nicht so lang dauern. Ich kann nur für mich und meine Freunde sprechen, die ebenfalls in der Medienbranche einen Job suchen.
Instagrampost vom 25. Juli 2015. Damals war ich einfach nur froh und aufgeregt, dass ich endlich meine Bachelorarbeit abgeben durfte.


Ich war auf der Geburtstagsfeier meiner Schwester und habe mich mit zwei ihrer Freundinnen unterhalten, die frisch ihren Bachelorabschluss gemacht haben und auch im Bereich Medien/Marketing/Personalwesen Jobs suchen - erfolglos. Ich selbst habe erst nach sieben Monaten einen Teilzeitjob gefunden, und wenig später dann durch Zufall meinen jetzigen Job. Volontärin war nie für mich der Job, den ich mir vorgestellt hab, aber was soll man machen? Man nimmt das, was man kriegen kann. "Ja man, ich habe meinen Bachelor und kann endlich 3.000 Euro Brutto im Monat verdienen" - so oder so ähnlich habe ich gedacht und ich wette, ich bin nicht die einzige. Wieso ist das so schwer? Liegt das an der Region? Liegt das an der Leistung? An der Bewerbung? Am Geschlecht? Oder am Namen? Beim Letzteren würde man ja Rassismus unterstellen und beim Punkt mit dem Geschlecht auch Diskriminierung. Aber ist das wirklich schwieriger als Frau, im "gebärfähigem" Alter, einen Job zu finden? Selbst wenn es so ist, kein Unternehmen würde das offen zugeben. Aber das ist ein anderes Thema.

Es liegt höchst wahrscheinlich an der mangelnden Berufserfahrung. "Aber ich habe während meines Studiums zig Praktika gemacht!" - vielen Unternehmen ist das nicht mal wichtig. Die wollen Arbeitskräfte, die man sofort einsetzen kann und keine Studentin, die man noch einarbeiten muss. Das ist zumindest mein Empfinden. Du hast Marketing studiert und bewirbst dich auf eine Stelle, wo sich ebenfalls einer bewirbt, der vielleicht nicht studiert hat, sondern "nur" eine Ausbildung absolviert hat, aber schon seit fünf Jahren als Marketing-Manager in einem namenhaften Unternehmen gearbeitet hat und schon Kontakt mit vielen Unternehmen/Kunden hatte. Für wen entscheiden sich die Personaler? Natürlich möchten auch viele Firmen junge, noch "ungeformte" Arbeitskräfte, aber je mehr absagen man bekommt, desto frustrierter wird man einfach.
Noch total euphorisch und glücklich lol. Instagrampost vom 2. Dezember 2015 direkt nach meinem Kolloquium. 


Ich wusste auch nicht wirklich, was ich den zwei Mädels von der Geburtstagsfeier raten sollte, es gibt kein Geheimrezept. Man muss einfach dran bleiben und an sich und auch an der Bewerbung arbeiten. Aber irgendwann hat man alles getan, was einem in der Macht steht und ist plötzlich machtlos. Vor allem, wenn man nicht einmal die Chance bekommt, sich persönlich beim Vorstellungsgespräch vorzustellen. An alle arbeitssuchenden Akademiker: Es ist überhaupt nicht peinlich, arbeitslos zu sein. Klar, gibt das keiner gern zu und man fühlt sich wie ein Loser, aber das ist falsch. Es geht so vielen Absolventen so, ihr seid nicht allein.

Glaub an euch, und bleibt einfach am Ball. An meine muslimischen Leser: Sabirli olun, Allah c.c. size yardimci olsun. Her iptalda "hayirli is degilmis" düsünün ve güzel bi is icin dua edin.

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